Küchenblock Eigenbau: California Beach T6.1
Ein CNC-gefräster Küchenblock mit Kühlschublade, Spüle, herausnehmbarem Gaskocher und Klapptisch lässt Platz für das Bett. Rund 160 Stunden, 1.600 € Material.

- Zeitaufwand
- ca. 160 h, verteilt über vier Monate
- Kosten
- ca. 1.600 € Material
- Schwierigkeit
- hoch
- Nutzen
- Im Schlafmodus bleibt jedes Fach erreichbar
Voraussetzungen: Zugang zu einer CNC-Fräse · sauberes Aufmaß des Innenraums
Private Bastelanleitung: so, wie ich es an meinem Bus gemacht habe, keine geprüfte Fachanleitung. Nachbau auf eigene Verantwortung. Mehr dazu
Inhalt
Das Problem
Das Bett muss umklappbar bleiben, der Durchgang in voller Breite frei und alles auch im Schlafmodus erreichbar sein. Im Alltag soll dem Bus nicht anzusehen sein, dass er ein Camper ist. So etwas gab es nicht zu kaufen.
Es ist meine zweite Küche. Die erste war für den T5.2 gebaut und passte wegen der anderen Innenmaße und der neuen Serienküchenzeile von VW nicht in den T6.1. Sie ging an meinen Bruder und tut dort weiter Dienst.

Die erste Küche im T5.2.
Ein Staufach der alten Küche war nur indirekt zugänglich, bei aufgebautem Bett gar nicht mehr. So etwas merkt man oft erst im Gebrauch. Diese Erfahrung, etliche neue Ideen und die Hürden der neuen Serienküchenzeile sind in die Konstruktion der zweiten Küche eingeflossen.

Das geöffnete Fach der ersten Küche.
Die Lösung
Die Küche sitzt innen. Bei Regen oder Kälte ist jeder Gang ans Heck hart nervig, auch für ein Bier aus der Kühlung. Zu zweit gibt es mehr Möglichkeiten für eine Heckküche; zu viert brauchen wir das Heck für Euroboxen und Auszug. Mehr dazu unter Kochen im Bus.
Alle Schubladen gehen nach vorne auf, ohne dass wir vorher etwas wegräumen müssen. Auch bei aufgebautem Bett bleibt jedes Fach erreichbar. Geschlossen fällt der Block im Alltag kaum auf.
Platz fürs Bett
Das Multiflexboard sitzt ganz hinten im Kofferraum, bis zum Anschlag zurückgeschoben. Zum Schlafen wird die Dreiersitzbank leicht nach vorne geschoben und umgelegt. Die durchgehende Liegefläche vom Heck nach vorne endet genau an der Küche: rund 1,50 × 1,85 bis 1,90 m. Drei Zentimeter mehr Block, und das Bett ginge nicht mehr auf. Übrig ist vielleicht ein Zentimeter. Es passt press und geht schön auf.
Beim Fahren liegt der Topper zusammengerollt hinten auf dem Flexboard, die Bettdecken gleich mit eingerollt. Abends heißt es: Bank umlegen, Topper ausrollen, fertig. Zwei schlafen unten, zwei oben im Aufstelldach. Mehr dazu unter Schlafen zu viert.
Die Teile
Der Korpus besteht aus 13,4 mm Lamitech HPL in Grau, Arbeitsplatte und Klappen aus eichenfurniertem Multiplex. Die Platten sind unempfindlich und für ihre Stabilität leicht.
Die Schubladen laufen auf reibungsarmem Gleitband. Das spart gegenüber Vollauszügen Bauhöhe und Gewicht und reicht für die Lasten hier.
Aufteilung und Kühlung
Ganz oben sitzt der Gaskocher unter einer selbstverriegelnden Abdeckplatte, daneben zum Fenster hin die Spüle. In der Mitte folgt eine Vitrifrigo D30A, eine 30-Liter-Kompressor-Kühlschublade mit Freeze-Funktion. Das Besteckfach liegt darüber, direkt im Zugriff. Die untere Schublade nimmt Geschirr, Snacks, Obst und die Notfall-Nudeln mit Pesto auf.

Die geöffnete Kühlschublade.

Die geöffnete untere Schublade.
Kochen und Spülen
Der Gaskocher ist portabel und herausnehmbar. Aufwendiges Kochen ist nicht das Ziel.
Die Carbest Vanstream aus Edelstahl misst rund 325 × 245 × 117 mm. Ihr Boden ist ab Werk abgeschrägt, damit Wasser auch bei Schräglage zum Ablauf findet. Eingebaut ist sie mit Gefälle nach hinten unten.
Das Frischwasser kommt aus einem 20-Liter-Flachkanister von Carysan mit 48,5 × 42 × 11,5 cm. Er steht zwischen Küchenblock und Fahrersitz; dort sind rund 15–17 cm Platz, er passt genau hinein. Den Ablauf beschreibt Grauwasser ohne Tank.
Klapptisch
Der kleine Tisch klappt aus dem Block und trägt sich ohne Fuß über ein teleskopierbares Rechteckrohr. So bleibt Platz für die Knie, und man kann bequem heranrutschen.

Der ausgeklappte Tisch.
Was es gekostet hat
| Position | Kosten |
|---|---|
| Kühlschublade Vitrifrigo D30A | 650 € |
| HPL-Platte für den Korpus | 300–400 € |
| Kleinteile, Beschläge, Diverses | 150 € |
| Spülbecken | 100 € |
| Armatur und Wassertank | 100 € |
| Eiche-Furnierplatte | 80 € |
| Aluminiumblech | 60–80 € |
| Gaskocher | 60 € |
| Griffe | 50 € |
| Summe | ~1.600 € |
Die Kühlschublade war zu diesem Preis bereits günstig eingekauft und ist der größte Posten. Beim Aluminiumblech wäre eine günstigere Ausführung ohne Einbußen an der Konstruktion möglich. Die CNC-Zeit ist nicht eingerechnet, ebenso wenig die Bastelarbeit an meiner MPCNC; mit bezahlter Fräszeit fällt die Rechnung anders aus. Bei der ersten Küche hatte ich das Fräsen noch in Auftrag gegeben. Das war damals bezahlbar, aber nur 2D statt 2,5D.
Der Bau
Rund 80 Stunden gingen in die Konstruktion, etwa ebenso viele in den Bau. Konstruiert habe ich über den Winter und stückweise gefräst. Nebenher dauerte es vier Monate, bis der Block fertig war.
Den Innenraum habe ich vorab in 3D aufgemessen. Auf dieser Grundlage entstanden die Frästeile für den Block. Die Platten habe ich über einen Ausbaubetrieb im Allgäu im Plattenhandel mitbestellt; so kam ich auch für einen Einzelbau einfach an das Material.

Rohbau vor dem Einbau. Auf den Korpusplatten klebt noch die Schutzfolie mit dem Lamitech-Aufdruck.
Furnier und offene Kanten sind mit Rubio Monocoat Oil Plus 2C Natural behandelt. Das Hartwachsöl hat laut Hersteller 0 % VOC und wird einmal aufgetragen.
Die Kühlschublade habe ich mit einem Noctua-Lüfter statt des Serienlüfters auf Silent-Mode umgebaut. Im Bus schläft man neben dem Ding.

Eingebaut und geschlossen.
Sicherheit
Der Block ist in der Bodenschiene montiert und hält darüber. Der Kanister klemmt zwischen Küchenblock und Fahrersitz. Wie jede Ladung müssen Block, Schubladen und Inhalt nach § 22 StVO auch bei einer Vollbremsung halten.
Kocher und Rückruf
Unser Kartuschenkocher von Bright Spark ist leider inzwischen von einem Rückruf betroffen (Safety-Gate-Meldung SR/04271/25: Modell BS100S, EAN 5060006140600). Begründung laut Meldung: Die Kartusche an der Seite sei nicht ausreichend gegen Überhitzung geschützt und könne explodieren.
Bei Kofferkochern dieser Bauart kann zu großes Kochgeschirr den Kartuschenbereich überdecken und die Kartusche überhitzen. Das hessische Regierungspräsidium Kassel hat 2024/25 dreizehn solcher Kocher nach DIN EN 17476 geprüft; nur zwei bestanden die Prüfung zur Sicherheit bei hohen Temperaturen (Abschlussbericht RP Kassel).
Kartuschen
Gaskartuschen sind für hohe Temperaturen nicht ausgelegt, und ein in der Sonne geparkter Bus wird innen schnell zu heiß. Bei uns liegen sie deshalb in ihrer Verpackung in der Heckbox, außerhalb des Innenraums und weit weg vom Kocher. Die Verpackung dämpft Temperatursprünge; eine geprüfte Lagerlösung ist die Box nicht. Maßgeblich sind die Lagerhinweise des Kartuschenherstellers.
Feuerlöscher
Über dem Frischwasserkanister, griffbereit direkt neben der Kochstelle, sitzt ein F-Exx 8.0 C. Der Auto-Schaumlöscher kommt laut Hersteller ohne Treibgas aus (F-Exx: noatec-Technologie). Einen klassischen Druckbehälter halte ich im Sommerauto selbst für ein Risiko.
Laut Hersteller ist er von -20 bis +70 °C einsetzbar und deckt damit die Temperaturextreme im Bus über das Jahr ab. Gekostet hat er rund 35 €.
Zusätzlich ist eine Löschdecke an Bord.
Grenzen
- Kein zweiter Brenner, kein Druckwassersystem.
- Der eingebaute Block verdeckt die Serien-Kochzeile.
- Ohne CNC-Zugang ist diese Genauigkeit schwer nachzubauen.
- Bei aufgebautem Bett lässt sich der Klapptisch nicht öffnen. Uns stört das nicht, weil wir abends entweder essen oder schlafen.
- Küche und Kanister begrenzen, wie weit sich der Fahrersitz nach hinten schieben lässt. Wer deutlich größer als 1,80 m ist, sitzt damit knapp.
Lessons learned
- Flexboard, Sitzbank, Porta Potti, Wasserkanister und Fahrersitz müssen von Anfang an mit der Küche geplant werden.
- Der fußlose Klapptisch hat im Alltag am meisten gebracht und am wenigsten Bauaufwand verursacht.
- Der Noctua-Umbau hat den Unterschied zwischen „hörbar“ und „stört beim Schlafen“ ausgemacht.
- Damit alles zusammenpasst, bleiben in der Konstruktion oft keine 5 mm Spielraum, und beim Bau kommt es auf einen halben Millimeter an.
Material (10)
- Queenply Lamitech Dark Steel 2315
HPL-Leichtbauplatte, 13,4 mm — Korpus; unempfindlich und für die Stabilität erstaunlich leicht
- Queenply Multiplex Eiche furniert
Arbeitsplatte und Klappen
- Rubio Monocoat Oil Plus 2C Natural
Hartwachsöl, 0 % VOC, einmal auftragen — für Furnier und offene Kanten
- Vitrifrigo D30A
1 · 30 l Kompressor-Kühlschublade mit Freeze-Funktion; auf Silent-Mode umgebaut (Noctua-Lüfter)
- Carbest Vanstream
1 · Edelstahl-Einbauspüle, ca. 325 × 245 × 117 mm, mit abgeschrägtem Boden für Schräglagen
- Carysan Flachkanister
20 l · 48,5 × 42 × 11,5 cm — steht zwischen Küchenblock und Fahrersitz
- Gleitband
statt Vollauszügen; niedrige Reibung, spart Bauhöhe und Gewicht
- Portabler Gaskocher
1 · Kartuschenkocher, herausnehmbar; unser Modell ist vom Rückruf betroffen, siehe Sicherheit
- F-Exx 8.0 C
1 · Auto-Schaumlöscher, laut Hersteller ohne Treibgas, von -20 bis +70 °C einsetzbar; sitzt über dem Frischwasserkanister
- Feuerlöschdecke
1 · 100 × 100 cm Glasfasertuch nach EN 1869, mit Schutztasche und Öse zum Aufhängen
Werkzeug (2)
- CNC-Fräse
- 3D-Aufmaß des Innenraums
Alternativen (2)
- Heck-/Außenküche
für: wer überwiegend bei gutem Wetter unterwegs ist · bei Regen muss man für jeden Handgriff raus, auch für die Kühlung — für uns der Ausschlussgrund
- Serien-Kochzeile des Beach
wird durch den Block verdeckt und ist für uns ohnehin keine sinnvolle Kochstelle